Informationen 

Besuch aus Matisi

In der Zeit von Sonntag, 03.04. – Mittwoch, 06.04.2016, werden die Vorsitzende des Kirchenvorstandes Ingrida Armane, die Ortsvorsteherin aus Matiši, Skaidrīte Klāsone, die Physiotherapeutin Laura Rudzite und der Übersetzer Arturs Rudzitis aus der Partnergemeinde erwartet. Zudem wird Olita Smilga, Ehefrau von Pfarrer Andis Smilga, der Delegation angehören.

In der Ev. Versöhnungs-Kirchengemeinde wird ein Programm durch alle Bezirke von Herzebrock-Clarholz bis Langenberg-Benteler stattfinden. 

Zunächst werden die Gäste am Sonntag, 03.04.2016, um 10.45 Uhr in einem Gottesdienst in der Ev. Kreuzkirche in Herzebrock, Bolandstr. 15, mit Pfr. Moritz und dem Querflötenensemble "Flautabile" unter der Leitung von Petra Nowak-Hunold begrüßt. In Clarholz findet an diesem Sonntag kein Gottesdienst statt. Anschließend wird ab 12 Uhr ein Partnerschafts-Treffen mit einem gemeinsamen Mittagessen mit den Gästen aus Matisi im Ev. Gemeindehaus Rheda, Ringstr. 60, stattfinden. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Am Montag hat die Bürgermeisterin von Langenberg, Frau Susanne Mittag, zu einem Austausch in das Rathaus nach Langenberg eingeladen. Das Mittagessen findet dann in der neu eröffneten „Essbar“ im Haus der Ausbildung von Pro Arbeit e.V. am Sandberg in Rheda-Wiedenbrück statt. Zudem wird auch ein Besuch des Gesundheitszentrums AKTIVITA in Rheda-Wiedenbrück erfolgen.

Am darauf folgenden Dienstag sind eine Besichtigung des Doms un der Stadt Paderborn geplant. Am Abend ist die Delegation zu einem Abendessen mit anschließendem Austausch mit Vertretern der Pfarrer und Presbyter in Langenberg eingeladen.

Unter Tel. 05242/931587 sind bei Birgit Strothenke auch nähere Informationen erhältlich.

 

Über 20 Jahre Partnerschaft

Bereits seit mehr als 20 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen den Ev. Kirchengemeinden Rheda und Wiedenbrück mit der Ev. Kirchengemeinde in Matisi/Kreis Valmiera/Lettland.

Nach der Unabhängigkeit Lettlands und der Öffnung der Grenzen im August 1991 gab es im Jahr 1992 erste Kontakte zwischen den Kreises Gütersloh und Valmiera. Im Rahmen der politischen und ökonomischen Beziehungen wurde von lettischer Seite auch Interesse an kirchlichen Kontakten geäußert.

Dieses Initiative wurde von der damals noch eigenständigen Ev. Kirchengemeinde Rheda aufgegriffen, später schloss sich die Ev. Kirchengemeinde Wiedenbrück mit Langenberg an. Im Herbst 1994 machte sich eine erste Delegation von Rheda nach Lettland auf den Weg. Ziel war der Ort Matisi 30 km nördlich von der Kreisstadt Valmiera. Es war deutlich zu spüren, wieviel Hoffnungen die Menschen in Lettland auf die Menschen im Westen in politischer, wirtschaftlicher und auch kirchlicher Hinsicht setzten.

Im Matisi traf die erste Delegation auf eine kleine, aber sehr lebendige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. In den Jahren der sowjetischen Besetzung waren kirchliche Aktivitäten in Lettland verboten. Von den ca. 1000 Einwohnern gehören daher nur noch ca. 10 % der Kirche an.

Seit dem ersten Kennenlernen schlossen sich gegenseitige Besuche im Wechsel an, die schließlich 1997 zum Abschluss einer förmlichen Partnerschaftsvereinbarung führten. Die Beziehungen nach Matisi werden auf Rheda-Wiedenbrücker Seite durch den "Freundeskreis Matisi" organisiert.

Zwischenzeitlich wurden vielfältige Hilfsaktionen für die Partnergemeinde in Lettland durchgeführt: Instandsetzung der brüchigen Kirchturmspitze, Übergabe von 3 gebrauchten PKW für Pfarrer und Gemeinde, Materialien für die Sonntagsschularbeit, Zuschuss zur Finanzierung von Personal (Orgelspielerin, Evangelist, Pfarrer, Sonntagsschullehrerin...), Kleidersendungen, Weihnachtspäckchen für die Kinder der Sonntagsschule... Die gemeinsamen Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen sowie die persönlichen Kontakte sorgen dafür, dass die materielle Hilfe nicht zum beherrschenden Zentrum der Partnerschaft wird.

Durch Russlands Vorgehen in der Ukraine hat auch die Sorgen vor einem Rückfall in alte Sowjetzeiten wieder aufleben lassen. Befürchtet wird, dass Rußland ähnlich wie auf der Krim als Schutzmacht der dort lebenden ethnischen Russen auftreten könnte. Zwar sind Estland, Lettland und Litauen seit dem Jahr 2004 in der EU und der NATO. Die Zeit der Loslösung von der Sowjetrepublik liegt zwar schon 23 Jahre zurück, doch die Erinnerung an die sowjetische Okkupation ist noch nicht verblasst. Unverändert hoch ist weiterhin die Abhängigkeit von russischem Gas, im Finanzsektor sind viele russische Akteure präsent.

 

Allgemeines über die Partnerschaft

Im Rahmen der Partnerschaft der Kommunalkreise Gütersloh und Valmiera, die 1992 begann und 1994 offiziell begründet wurde, entwickelten sich im Herbst 1994 erste Kontakte nach Matisi, einem kleinen Ort ca. 30 km nördlich von der Kreisstadt Valmiera. Es war deutlich zu spüren, wie viel Hoffnungen die Menschen in Lettland auf die Menschen im Westen in politischer, wirtschaftlicher und auch kirchlicher Hinsicht setzten.

Neben der Holzverarbeitung ist die Landwirtschaft die wichtigste wirtschaftliche Aktivität in Matisi. Durch billige Importe aus dem Ausland sieht es in dem kleinen Ort aber wirtschaftlich sehr schlecht aus.

Viele Menschen leben am Existenzminimum, so dass gerade das Überleben gesichert ist, darüber hinaus aber kein Geld zur Verfügung steht.

In Matisi traf man auf eine kleine, aber sehr rege evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. In dem rund 1000 Einwohner großen Dorf Matisi gehören nur noch ca. 10 Prozent der Menschen der Kirche an. Während der Zeit der russischen Besetzung Lettlands bis 1991 waren sämtliche kirchliche Aktivitäten verboten. Der Aufbau der Kirche geschieht daher vor allem durch die Arbeit mit Kindern in der Sonntagsschule, vergleichbar mit dem Kindergottesdienst in Deutschland. 

Seit den ersten Kontakten wurden verschiedene Projekte in Matisi unterstützt:

·         Reparatur der Kirchturmspitze, der  Sakristei und  des Kirchendachs

·         Anschaffung von 3 PKW für die Kirchengemeinde und den Pfarrer

·         Jährliche Weihnachtspäckchenaktionen für die Kinder der Sonntagsschule

·         Übergabe von Noten, Literatur, Bastel- und Arbeitsmaterialien

·         Sammeln, Verpacken und Verschicken von Kleidung, Schuhen, Bettwäsche usw. nach Matisi und darüber hinaus an die Landwirtschaftskammer in Valmiera

 

Durch folgende Aktionen wurde die Partnerschaft vertieft:

·         jährliche gegenseitige Besuche seit 1994

·         Unterzeichnung einer Partnerschaftsvereinbarung 1997

·         Durchführung eines großen Open-Air-Benefizfestivals im August 1997 in der Aktionsmulde der Flora Westfalica mit 6 Bands der ev. und kath. Kirchengemeinden in Rheda-Wiedenbrück

·         Konzertreise des Frauengesangsensembles aus Matisi im Kreis Gütersloh im Jahr 2000 und 2009

·         Konzerte der Musikschule Valmiera in Rheda-Wiedenbrück in 2002, 2005 und 2007

·         Präsentation und Information über die Partnerschaft bei unterschiedlichen Veranstaltungen

Die Beziehungen nach Matisi werden auf Rheda-Wiedenbrücker Seite durch den "Freundeskreis Matisi" organisiert. Wer Interesse hat an den Treffen (ca. vierteljährlich) teilzunehmen und zu den besonderen partnerschaftlichen Veranstaltungen eingeladen zu werden, kann sich bei Birgit Strothenke melden. 

Allgemeines über Lettland

Bis zum Ende der achtziger Jahre war das Baltikum ein weißer Fleck auf unserer Landkarte. Diese Sichtweise änderte sich erst, als die „singende Revolution“ der Esten, Letten und Litauer das Sowjet-Imperium zu erschüttern begannen und Hunderttausende wieder und wieder für die Unabhängigkeit ihrer Länder demonstrierten.

Im Jahr 1991 kamen die „Blutsonntage“ von Vilnius in Litauen und von Riga in Lettland, und es wurde deutlich, dass Estland, Lettland und Litauen keineswegs abtrünnige Sowjetrepubliken waren, sondern seit dem Zweiten Weltkrieg sowjetisch besetzte Staaten, die sich nicht einen einzigen Augenblick mit ihrem tragischen Schicksal abgefunden hatten.

Seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit 1991 sind viele Esten, Letten und Litauer aus der westlichen Emigration in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Auf der anderen Seite haben zehntausende Russen, die während der sowjetischen Besatzung zugezogen waren, die baltischen Staaten wieder verlassen. Da zudem die Geburtenrate sinkt, ist die Einwohnerzahl in den drei baltischen Ländern seit 1991 rückläufig. Lettland hat 2,4 Millionen Einwohner, davon sind mehr als 40 Prozent russischsprachig.

Die drei baltischen Staaten haben den Abschied von der Vergangenheit radikal vollzogen. Schnell haben sie sich von der kollabierenden russischen Volkswirtschaft abgekoppelt und weitgehend nach Westen umorientiert, wenngleich der Transithandel mit Russland weiter eine wichtige Rolle spielt. Aber natürlich hat der Übergang zur Marktwirtschaft auch seine Schattenseiten. Auch in Lettland sind einige wenige sehr schnell reich geworden, während die Masse der Bevölkerung materiell auf der Strecke geblieben ist. Die soziale Disharmonie wird auch in Zukunft die größte Herausforderung für die Politiker der drei baltischen Länder bleiben.

Am 1. Mai 2004 ist Lettland der EU beigetreten. 

Geschichte Lettlands

Ca. 200 Jahre v. Chr. begannen die Indo-Europäer, Vorfahren der baltischen Volksstämme, das heutige Gebiet von Lettland zu besiedeln.

Riga wurde 1201 gegründet und ist 1282 in den hanseatischen Städtebund der norddeutschen Handelsstädte eingetreten. Damit übernahm Riga die wichtigste Vermittlerrolle im West-Osthandel.

Während der folgenden Jahrhunderte durchlebte Lettland eine turbulente Geschichte und wurde von verschiedenen Nationen besetzt und verwaltet. Bis zum Ende des 1. Weltkrieges hatten die Letten kein eigenes Staatswesen; ihre Siedlungsgebiete waren im Mittelalter Teil Livlands. Die Liven, Selen, Kuren und Semgaller wurden seit 1180 missioniert und im 13. Jh. vom Schwertbrüderorden bzw. (ab 1237) vom Dt. Orden unterworfen. 1561 geriet Lettland unter polnische Herrschaft. Seit Ende des 18. Jh. gehörte es zum russ. Zarenreich.

1801 wurden Kurland, Livland und Lettgallen zu einem russ. Generalgouvernement vereinigt. Erst 1918 wurde die unabhängige Republik Lettland ausgerufen. Im Frieden von Riga 1920 erkannte Russland „für ewige Zeiten“ die Unabhängigkeit Lettlands an. 1922 gab sich Lettland eine erste Verfassung.   Im geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 fiel Lettland an die Sowjetunion, die das Land 1940 annektierte und umgehend 34.000 Letten deportieren ließ. Der deutschen Besatzung 1941 bis 1944, der 120.000 Juden und Widerstandskämpfer zum Opfer fielen, folgte nach Kriegsende Stalins Strafgericht: etwa 120.000 Letten, der Kollaboration mit den Nazis verdächtigt, wurden zwischen 1945 und 1953 nach Mittelasien und Sibirien deportiert und ebenso viele Nichtletten ins Land geholt. Lettland wurde in die Sowjetunion eingegliedert und Riga Hauptstadt der lettisch-sowjetisch-sozialistischen Republik (LSSR).

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